Bienen füttern

Wirtschaftlicher Wert der Biene

Ihre Bestäubungsarbeit ist von unschätzbarem Wert. So beziffert der Weltrat für Biologische Vielfalt den wirtschaftlichen Wert von fliegenden Bestäubern auf über 577 Milliarden US-Dollar. Wenn von Bienen die Rede ist, steht das Haustier der Imker – die Honigbiene Apis mellifera – im Vordergrund der öffentlichen Debatte. Auf die wilden Verwandten fällt viel weniger Rampenlicht. „Bei den Wildbienen stehen in Deutschland bereits über 50 % auf der Roten Liste“, betont Hilmar Freiherr von Münchhausen, Geschäftsführer der Deutschen Wildtier Stiftung. „Die Gefahr, dass langfristig immer mehr Wildbienenarten von der Erde verschwinden, ist groß!“

Worunter leiden Bienen?

Die oft hoch spezialisierten Wildbienenarten haben zwei massive Probleme: Knappe Nahrung und unzureichende Nistmöglichkeiten. „Wildbienen leiden unter Städte- und Straßenbau, der intensiven und auf wenige Kulturarten spezialisierten Landwirtschaft und dem Verschwinden von Feldrainen, Heiden und Magerrasen sowie anderen warmen und sandigen Lebensräumen“, erklärt von Münchhausen. Die Deutsche Wildtier Stiftung weist im Zuge des Weltbienentages darauf hin, dass vor allem Wildbienen im Gegensatz zur domestizierten Honigbiene Schutz und Hilfe brauchen. „Viele Bienenfreunde, die den Insekten etwas Gutes tun wollen, wissen nicht, dass Honigbienen und Wildbienen völlig unterschiedliche Arten mit stark verschiedenen Ansprüchen sind“, so von Münchhausen.

Fünf Unterschiede zwischen Honig- und Wildbienen

  1. Honigbienen gehören alle zu einer Art: der Apis mellifera. Bei den Wildbienen gibt es alleine in Deutschland über 600 verschiedenen Arten. Weltweit sind es über 20.000 Arten. Ihre Namen sind unverwechselbar. Sie heißen Schneckenhausbiene (Osmiabicolor), Sandbiene (Andrena), Mörtelbiene (Megachile) oder Seidenbiene (Colletes).
  2. Honigbienen werden gezüchtet und leben als soziale Art in einem Volk mit mehreren Tausend anderen Individuen in Stöcken. Wildbienen sind meist Einzelgänger mit individuellen Ansprüchen an ihren Lebensraum: Einige legen Niströhren im Erdboden an, andere bevorzugen Mauerritzen zum Nestbau, wieder andere Pflanzenstängel.
  3. Honigbienen fliegen viele Pflanzen an, Wildbienen sammeln Nektar an sehr wenigen, manchmal sogar nur einer einzigen Pflanzenart.
  4. Honigbienen produzieren Honig, aus den Nestern europäischer Wildbienen kann kein Honig gewonnen werden.
  5. Der Stich der Wildbiene ist für den Menschen wesentlich harmloser als der einer Honigbiene und meist kaum spürbar.

Hummeln brauchen jetzt Nahrung

„Dabei geben die Königinnen alles an Kraft, was sie nur aufbringen können“, erklärt Manuel Pützstück, Wildbienenexperte von der Deutschen Wildtier Stiftung. „Bis Mitte April müssen sie ihre Nester gebaut haben, um darin viele hundert Eier abzulegen.“ Mit Hilfe einer kleinen, mit Nektar gefüllten Honigblase im Körperinneren schaffen es die Insekten, die ersten Stunden in den kühlen Februar-Tagen zu überleben, ohne zu verhungern. „Doch dann brauchen sie schnellstens gehaltvolle Kraftnahrung“, sagt Pützstück. Diese besteht – wie bei einem Profisportler – aus möglichst viel Proteinen und Kohlenhydraten.

Frühe Blüten für Hummeln

Gartenbesitzer können für die fliegenden Königinnen den Tisch decken:

wo Krokusse, Schneeglöckchen, Märzenbecher und Weidenkätzchen wachsen, können Hummeln eiweißreichen Blütenpollen und zuckerhaltigen Blütennektar naschen.

Hummeln sind wichtige Bestäuber von Obstbäumen

Hummeln sind mit die ersten fliegenden Bestäuber des Jahres und damit wichtig für alle frühblühenden Obstsorten wie Kirschen und Äpfel. „Pro Tag besuchen Hummeln bis zu tausend Blüten und mehr. Dafür ist die Wildbienenart bis zu 18 Stunden am Tag in der Luft“, erläutert Manuel Pützstück von der Deutschen Wildtier Stiftung. Das ist eine Höchstleistung!

Wie kommt das sympathische Schwergewicht zu solchen Ausnahmerekorden? Möglich wird diese Höchstleistung nur durch einer Art „Spezialanfertigung“ der Flügel. „Im Gegensatz zu den Tragflächen eines Flugzeuges sind Hummelflügel in sich voll beweglich“, erklärt der Experte das Hummel-Geheimnis. „Durch eine Krümmung der Flügel und ein ganz spezielles Schlagmuster wird der benötigte Auftrieb erzeugt. Zuvor zittert sie sich mit ihren Muskeln warm und erhöht so ihre Körpertemperatur auf 30 Grad für einen perfekten Start in den blauen Frühlingshimmel.“

Ohne Bienen keine Früchte

Unverzichtbare Helfer bei der Befruchtung sind Honigbienen. Sie sichern die Befruchtung und den Massenertrag. Doch leider geht ihre Zahl zurück. Diese wichtigen Pollenboten wurden in den letzten Jahren durch Parasiten und Krankheiten geschwächt. Zudem geben immer mehr Imker – meist aus Altersgründen – ihre Aktivitäten auf und Nachfolger sind schwer zu finden. Wildbienen und Hummeln können die Arbeit der fleißigen Honigbienen nur teilweise ersetzen. Aber sie fliegen schon bei niedrigen Temperaturen. Dies kommt den frühblühenden Obstarten Pfirsich, Aprikose und Nektarine zugute. Fördern Sie deshalb die Wildbienen durch geeignete Unterschlupfmöglichkeiten z. B. mit einem so genannten „Bienenhotel“.

Der Bundesverband schreibt:

Honigbienen, Wildbienen und viele andere Insekten tragen maßgeblich zum Erhalt der biologischen Vielfalt bei. Sie bestäuben 80 Prozent unserer Pflanzen und sorgen damit dafür, dass wir eine große Auswahl an Obst, Gemüse und Blumen haben. Gerade Kleingärtnerinnen und Kleingärtner wissen diese Leistung zu schätzten. Aber die Hälfte unserer heimischen Wildbienen ist bedroht. Und auch Honigbienen finden nach der Obst- und Rapsblüte vielerorts zu wenig Nektar.

Daher unterstützt der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde (BDG) die Initiative „Bienen füttern!“ des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL).

Mit einer speziellen Aktion lädt die Initiative in diesem Jahr alle Bienenfreunde dazu ein, auf www.bienenfuettern.de in einer Karte einzutragen, wo sie bienenfreundliche Pflanzen kultivieren. Außerdem können sie angeben, wie groß ihre Blühfläche ist und welche Pflanzen sie ausgesucht haben.

Machen auch Sie mit! Schon ein Balkonkasten, ein Beet im Kleingarten, eine Fläche auf dem Gemeinschaftsgelände oder ein Blühstreifen in  der Kleingartenanlage mit üppig blühender Bienennahrung leisten einen wertvollen Beitrag.

Mit welchen Pflanzen Sie am besten ein blühendes Bienenparadies schaffen können, erfahren Sie im Pflanzenlexikon  auf www.bienenfuettern.de.

Die Initiative „Bienen füttern!“ des Bundeslandwirtschaftsaministeriums wird in diesem Jahr von sieben Partnern unterstützt. Dazu zählen neben dem BDG weitere grüne Branchenverbände sowie der Deutsche Imkerbund.


Link zur Mitmach-Aktion: www.bienenfuettern.de

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